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Wechsel an der Spitze von ChemDelta Bavaria

14.01.2022 | Burghausen | Gendorf

Das Burghauser WACKER-Werk leitet Dr. Peter von Zumbusch seit einem Jahr, ab 1. Januar 2022 übernimmt der 57-Jährige auch den Vorsitz der Initiative ChemDelta Bavaria. Der bisherige Lenkungskreis-Vorsitzende, OMV-Deutschland-Geschäftsführer Dr. Gerhard Wagner, gibt die Führungsrolle im Zuge seines beruflichen Abschieds bei OMV ab.

Seit mehr als 25 Jahren gehört der gebürtige Münchner Peter von Zumbusch, dessen Wurzeln in den Chiemgau reichen, der Wacker Chemie an. Schon der Start 1996 führte ihn nach Burghausen. 2005 wurde er nach China berufen, um die Leitung des Standorts Zhangijagang zu übernehmen. Drei Jahre später erhielt er die Gesamtverantwortung für das China-Geschäft von WACKER. 2013 folgte die Rückkehr nach Deutschland als Leiter der Ingenieurstechnik im Geschäftsbereich SILICONES. Und zum Jahresbeginn 2021 die Rolle als Werkleiter des weltweit größten WACKER-Standorts Burghausen.

Hatten die Verantwortlichen von ChemDelta in der Vergangenheit prioritär den Weiterbau der A94 sowie den zweigleisigen Bahnausbau München-Mühldorf-Freilassing mitsamt Elektrifizierung im Blick, so wollen sich Dr. Peter von Zumbusch und ChemDelta-Sprecher Dr. Bernhard Langhammer künftig verstärkt den zusehends drängenden Themen Energieversorgung, Nachhaltigkeit und Regulierung widmen. Den Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP sieht der künftige Lenkungskreis-Vorsitzende dabei als ermutigendes, wenngleich noch ausbaufähiges Papier an.

Als positiv wertet Peter von Zumbusch vor allem, dass die Koalition explizit die zentrale Rolle der Industrie für die Transformation der Wirtschaft hin zum Klimaschutz festhält und ihre „Innovations-, Investitions- und Wettbewerbsfähigkeit“ erhalten will. Konkret sichert das Ampel-Papier der Industrie „wettbewerbsfähige Strompreise (…) unter konsequenter Nutzung der eigenen Potenziale Erneuerbarer Energien“ zu. Auch erkennt es einen erhöhten Strombedarf in Deutschland an – wenngleich weniger hoch als vom Verband der Chemischen Industrie (VCI) prognostiziert. Begrüßenswert sieht von Zumbusch die Ankündigung, zum 1. Januar 2023 die Finanzierung der EEG-Umlage über den Strompreis beenden zu wollen. Kritisch sieht er die zeitgleiche Aussage, wonach alle Ausnahmen von Energiesteuern abgebaut werden sollen. Das könnte einer tatsächlichen Entlastung entgegenstehen. Denn zugesagt wird bislang lediglich, dass die Unternehmen „insgesamt nicht stärker belastet“ werden sollen.

Bestätigt sehen sich die ChemDelta-Verantwortlichen durch die Koalitionsaussagen zum Thema Wasserstoff und den laufenden Bemühungen hin zur Klimaneutralität der heimischen Industrie. Die Vereinbarungen eröffnen beispielsweise dem WACKER-Projekt RHYME Bavaria zur Herstellung und Verwendung von „grünem“ Wasserstoff grundsätzlich neue Möglichkeiten in Form einer Betriebskosten-Förderung. Und auch dem von ChemDelta gemeinsam mit dem Landkreis Altötting, der Stadt Burghausen und weiteren Partnern forcierten Reallabor Burghausen zur Erforschung der klimaneutralen Transformation der chemischen Industrie in die Wasserstoffwirtschaft könnten die Koalitionsergebnisse den Weg bereiten. Als zentrales Instrument der Innovationsförderung wird die Weiterentwicklung von Reallaboren in dem Papier gewertet. Auch spricht sich die Koalition für eine stärkere Forschung im Bereich der Biotechnologie aus.

Abseits des Energiethemas und der generellen Zukunftsausrichtung der heimischen Industrie gilt Peter von Zumbuschs besonderes Augenmerk dem Abbau regulatorischer Hemmnisse sowie der zeitlichen Verkürzung von Genehmigungsverfahren. Positiv bewertet er in diesem Zusammenhang die Ziele der Ampel-Parteien, die Verfahrensdauer mindestens zu halbieren und die EU-Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) weiterzuentwickeln, ebenso das Bekenntnis gegen Protektionismus und für einen wirksamen, über freie Zuteilung erfolgenden Schutz vor „Carbon Leakage“ (Verlagerung in kostengünstigere, weil mit niedrigeren Klimaschutz-Anforderungen agierenden Länder). Klar befürwortet von Zumbusch die pro-europäische Orientierung der neuen Regierung.

Wie beim VCI überwiegen auch beim neuen ChemDelta-Vorsitzenden insgesamt die positiven Aspekte des Koalitionspapiers. Wobei sich erst noch zeigen müsse, was davon wirklich in die Realität umgesetzt wird, und auch, auf welche Art und Weise, so sein Fazit.

Was ChemDelta selbst angeht, so will sich Dr. Peter von Zumbusch vermehrt der Steigerung der Mitgliedszahlen widmen und bei den Aktivitäten auch die kleineren Mitglieder stärker ins Boot holen. Dem scheidenden Vorsitzenden Dr. Gerhard Wagner dankt er nicht nur für sein Engagement, sondern auch für seine unnachahmliche Herangehensweise. Wagners Art, „Wahrheiten ganz unverblümt anzusprechen“, wolle er sich durchaus zum Vorbild nehmen, so Peter von Zumbusch.